ADHS verstehen: Impulse & Perspektiven
Warum Übergänge bei ADHS so schwierig sind
- und was helfen kann
Viele Herausforderungen im Alltag mit ADHS entstehen nicht in den „grossen Momenten“, sondern in den Übergängen dazwischen.
- Der Wechsel vom Spielen zu den Hausaufgaben.
- Der Start in den Morgen.
- Das Aufhören, wenn etwas gerade gut läuft.
Gerade diese Situationen sind oft konfliktgeladen – und für viele Eltern schwer einzuordnen.
Warum Übergänge so herausfordernd sind
Übergänge bedeuten immer:
👉 etwas beenden und sich auf etwas Neues einstellen
Für Kinder mit ADHS ist genau das oft besonders anspruchsvoll.
Denn Übergänge erfordern:
- Aufmerksamkeit gezielt zu lenken
- Impulse zu steuern
- sich innerlich neu zu organisieren
Funktionen, die bei ADHS häufig herausgefordert sind.
Wenn das Nervensystem unter Druck gerät
Neben diesen kognitiven Anforderungen spielen auch innere Prozesse eine grosse Rolle.
Übergänge sind oft mit Unsicherheit verbunden:
- Was kommt als Nächstes?
- Was wird erwartet?
- Schaffe ich das?
Wenn Situationen als unklar, unvorhersehbar oder überfordernd erlebt werden, kann das Sicherheitsgefühl ins Wanken geraten.
Das Nervensystem reagiert darauf mit Stress.
Verhalten als Selbstschutz verstehen
Was von aussen wie Widerstand oder „Nicht-Wollen“ wirkt, ist in solchen Momenten häufig etwas anderes.
Rückzug, Verweigerung oder starke Emotionen können Ausdruck davon sein,
dass ein Kind versucht, mit dieser inneren Überforderung umzugehen.
👉 Verhalten ist in diesem Moment nicht gegen etwas gerichtet,
sondern ein Versuch, wieder Stabilität und Sicherheit herzustellen.
Typische Situationen im Alltag
Viele Eltern kennen diese Momente:
- Der Morgen eskaliert, obwohl eigentlich alles vorbereitet ist
- Hausaufgaben beginnen wird zum täglichen Kampf
- Aufhören fällt besonders schwer, wenn etwas Spass macht
- Übergänge in der Schule führen zu Unruhe oder Rückzug
Diese Situationen haben oft mehr mit dem Übergang selbst zu tun als mit der eigentlichen Aufgabe.
Was im Alltag helfen kann
Hilfreich ist oft ein Umgang, der Übergänge bewusster gestaltet und das Bedürfnis nach Sicherheit berücksichtigt.
Zum Beispiel:
- Übergänge frühzeitig ankündigen
- Abläufe möglichst vorhersehbar gestalten
- Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte aufteilen
- Mitgestaltung ermöglichen („Was hilft dir beim Start?“)
- Druck reduzieren, wo möglich
- Beziehung vor Durchsetzung stellen
Nicht als Technik, die „funktionieren muss“,
sondern als Unterstützung für das Nervensystem.
Ein Perspektivenwechsel
Wenn wir Übergänge als anspruchsvolle Situationen verstehen, verändert sich oft auch der Blick darauf.
Weg von:
👉 „Warum klappt das nicht?“
Hin zu:
👉 „Was macht diesen Übergang gerade so schwierig – und was würde helfen?“
Wenn Übergänge im Alltag regelmässig zu Konflikten führen, kann es hilfreich sein, die Situationen gemeinsam genauer anzuschauen und individuelle Strategien zu entwickeln.